SRH University
Internationales

Mit Musik in die Welt: Eine Studentin über ihr Auslandsjahr in Kanada

Neue Erfahrungen und internationale Perspektiven – im Interview erzählt Musiktherapie-Studentin Sonja Lembke über das Studium in Kanada.

Eine Person mit Brille lächelt vor den Niagarafällen, die im Hintergrund mit Wasserrauschen zu sehen sind.

Für viele Studierende ist ein Auslandsaufenthalt ein besonderer Schritt – fachlich wie persönlich. Sonja Lembke studiert den Master Musiktherapie am Campus Heidelberg der SRH University. Aktuell verbringt sie ein Auslandsjahr an der Wilfrid Laurier University in Waterloo, Ontario, Kanada. Über ihre Vorbereitung, das Studium der Musiktherapie vor Ort und Erfahrungen mit neuen Lernkulturen hat sie mit uns gesprochen. 

Was hat Sie dazu motiviert, Ihr Auslandsjahr in Kanada zu absolvieren?

Ich wusste schon früh, dass ich einen Auslandsaufenthalt im Master machen möchte. Zunächst erkundigte ich mich über die Möglichkeiten an den zwei Partnerunis in den USA und Österreich, doch machte ich mich bald selbst auf die Suche nach einem englischsprachigen Masterstudiengang. Da ich meinen Freiwilligendienst in Schottland verbracht hatte, wollte ich ein Land außerhalb von Europa erkunden. 

Die USA schieden aus wegen der politischen Lage, während die Studiengebühren in Australien zu hoch waren. Kanada blieb übrig. Ich stellte es mir ähnlich idyllisch wie Schottland vor und hatte einen positiven Eindruck durch den Austausch auf meinem Freiwilligenseminar. Mit dem einzigen Master in Vollzeit und Präsenz fiel die Wahl schnell auf meine aktuelle Uni. 

Wie verlief die Vorbereitung?

Zuerst kontaktierte ich die Uni, ob ein Aufenthalt als „freemover“ – Studierende ohne Partnerschaftsabkommen zwischen den Hochschulen – möglich wäre. Das International Office und die Studiengangsleitung waren sehr zuvorkommend. Sie erklärten mir die Möglichkeiten und die damit einhergehenden Kosten. 

Im Anschluss musste ich alle Schritte des Aufnahmeprozesses (Bewerbung mit Motivationsschreiben, Englisch-Test, Schriftprobe und drei Empfehlungsschreiben) durchlaufen. Die Wochen zogen ins Land: zwei Wochen bis zum Englisch-Test, drei Wochen bis zur offiziellen Zusage. Letztere war Voraussetzung für das Visum, das ich für den längeren Aufenthalt brauchte. Das Visum selbst bekam ich nach weiteren fünf Wochen – nur zweieinhalb Wochen vor Semesterbeginn. 

Die parallele Wohnungssuche war zwar auch anstrengend, aber im Vergleich deutlich entspannter. Nach vielen Anfragen bekam ich die Zusage von meiner Untervermieterin: Ich habe ein schönes Zimmer fußläufig zur Universität für acht Monate. Ebenso hatte ich Glück, dass ich meine eigene Wohnung an eine Kommilitonin untervermieten konnte.

Wie war Ihr erster Eindruck von Kanada und Ihrer neuen Umgebung?

Mein vorwiegendes Gefühl in den ersten Tagen war Aufregung. Es fühlte sich an wie der Beginn eines Abenteuers. Ich realisierte jedoch schnell, dass die Gegend, in der ich gelandet war, gar nicht so idyllisch ist, wie ich mir vorgestellt hatte. Dennoch gibt es viele Aspekte, die mir sympathisch sind, z. B. dass die Anzeige vom Bus mir einen schönen Tag wünscht oder auf einen Gedenktag hinweist. Umso mehr ich in Kanada reise, desto mehr schöne Orte begegnen mir, desto mehr lerne ich über die komplexe Geschichte des Landes und desto mehr schätze ich Kanada.

Was unterscheidet das Studieren in Kanada vom Studieren in Deutschland?

Als Erstes gibt es andere Semesterzeiten. Das Studienjahr ist in Trimester aufgeteilt: Herbst (September–Dezember), Winter (Januar–April) und Sommer (Mai–August). Diese dauern jeweils zwölf Wochen. Im Musiktherapie-Studium sind die Sommersemester Vollzeit-Praktika gewidmet. 

In meinen Studienerfahrungen in Deutschland habe ich bisher mehr Freiheit in Bezug auf das selbstverantwortliche Lernen erlebt. In Kanada werden oft Hausaufgaben gestellt, die die Grundlage für den nächsten Unterricht bilden. Auch das Engagement in Veranstaltungen erscheint mir größer dadurch, dass die aktive Unterrichtsbeteiligung einen Teil der Note ausmacht. 

Wie wird Musiktherapie in Kanada verstanden und gelehrt? Gibt es Unterschiede zum deutschen Ansatz?

Die Berufsbezeichnung „Musiktherapeut:in“ ist in beiden Ländern kein geschützter Begriff. Dadurch gibt es keine verpflichtenden Qualitätsstandards. Die Regulierung in Kanada ist dennoch einen Schritt voraus, weil Absolvent:innen des Studiums eine Prüfung ablegen müssen, um sich „Certified Music Therapist” nennen zu können. 

Einen weiteren Unterschied sehe ich im Praxisbezug. Psychologie-Grundlagen sind im kanadischen Studium ausgelagert, indem diese Kurse Voraussetzung zur Aufnahme in den Studiengang sind. Hinzu kommt, dass Praktika ab dem 2. Semester durchgehend das Studium begleiten. Anwendungsfragen und Reflexion der Praktikumserfahrungen sind zentraler Bestandteil der Kurse. 

Haben Sie die Möglichkeit, praktische Erfahrungen zu sammeln?

Die Möglichkeiten, praktische Erfahrungen zu sammeln, sind vielfältig. Durch Rollenspiele im Unterricht wird die Therapiesituation nachempfunden. Manche Prüfungen sind ebenfalls auf einem praktischen Szenario aufgebaut. Ich kann im nächsten Semester ein Praktikumsmodul belegen, wodurch ich unter Supervision eine Einzeltherapie sowie eine Therapiegruppe pro Woche anleite. 

Neben der Praxis nimmt auch die Forschung einen wichtigen Stellenwert ein. Über zwei Semester arbeiten wir an unserem eigenen qualitativen Forschungsprojekt. Generell gibt es für Masterstudierende die Möglichkeit, Erfahrungen in der Lehre als „teaching assistant” oder in der Forschung als „research assistant” zu sammeln. 

Gab es bisher Situationen, in denen Sie sich besonders herausgefordert oder inspiriert gefühlt haben?

Die größte Herausforderung in diesem Semester war sicherlich der hohe Arbeitsaufwand. Besonders zum Ende des Semesters ballten sich die Abgaben. Trotz des Stresses begrüßte ich die hohen Anforderungen des Studiums, weil sie mich dazu motivierten, mir sehr viel Wissen anzueignen.

Eine durchgehende Inspiration finde ich in dem Engagement meiner Lehrkräfte und meiner Kommiliton:innen. Die Lehrkräfte schaffen eine wertschätzende und fehlerfreundliche Lernatmosphäre. Sie vermitteln Enthusiasmus, gehen auf komplexe Fragestellungen ein und zeigen ihre eigene Persönlichkeit als Therapeut:in. 

Welche Ratschläge würden Sie anderen Studierenden geben, die ein Auslandssemester planen?

Unbedingt früh mit der Planung zu beginnen! Ich konnte den Rat selbst schon nicht mehr hören, weil ich überzeugt war, dass ich mich bereits früh kümmere. Dennoch wurde die Zeit eng. Ein paar Wochen mehr hätten die Planung für mich entspannter gemacht. 

Außerdem würde ich Interessierten mitgeben, auf ihr Bauchgefühl zu hören und beharrlich zu bleiben. Schließlich lohnt es sich, schon vor der Annahme der ausländischen Uni alle anderen Unterlagen für das Visum zusammenzustellen. 

Julia König

Wissenschaftliche Mitarbeiterin im ausbildungsintegrierenden Bachelorstudiengang Logopädie; International Office

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