

Darum geht’s:
Von Künstlicher Intelligenz über neue Formen des Zusammenlebens bis hin zu europäischen Werten: Studierende des Masterstudiengangs Strategic Design an der SRH University zeigen, wie Design komplexe Zukunftsfragen greifbar macht, neue Perspektiven eröffnet und gesellschaftliche Veränderung anstößt.
Wie wollen wir in Zukunft leben? Welche Rolle soll Künstliche Intelligenz in unserem Alltag spielen? Was verbindet uns als Gesellschaft? Und wie können wir unsere Werte in konkretes Handeln übersetzen?
Diese Fragen verlangen nach neuen Perspektiven, kritischem Denken und dem Mut, gewohnte Vorstellungen zu hinterfragen. Genau hier setzt der Studiengang „Strategic Design“ an: Design wird nicht nur als Gestaltung von Produkten verstanden, sondern als Werkzeug, um komplexe Herausforderungen zu untersuchen, alternative Zukünfte zu entwerfen und Veränderungsprozesse aktiv mitzugestalten. Wie das in der Praxis aussehen kann, zeigten Studierende des Masterstudiengangs Strategic Design an der SRH University bei drei interaktiven Workshops im Futurium Berlin und bei der Designkonferenz FORM / FUTURE im ehemaligen Flughafen Berlin-Tempelhof. Vier Erlebnisse, die eines verbindet: Zukunft entsteht nicht einfach von selbst. Wir können sie gemeinsam gestalten.

Was passiert, wenn wir aufhören, nur über Künstliche Intelligenz zu sprechen, und stattdessen gemeinsam ihre Auswirkungen erkunden? Mit dieser Frage beschäftigten sich die Masterstudierenden während der „Open Lab Nights“ im Futurium Berlin. Sie entwickelten drei interaktive Workshops, die KI-Kompetenz auf eine neue Weise vermitteln: nicht allein durch die Erklärung technologischer Zusammenhänge, sondern durch spielerische Erfahrungen, spekulative Szenarien und moderierte Diskussionen.
Im Mittelpunkt stand die Erkenntnis, dass ein kompetenter Umgang mit KI mehr bedeutet, als ihre Funktionsweise zu verstehen. Es geht auch darum, ihre Grenzen zu hinterfragen, mögliche Folgen abzuwägen und bewusst zu entscheiden, welche Rolle die Technologie in unserem Leben einnehmen soll. Die drei Workshops näherten sich diesem Thema aus unterschiedlichen Perspektiven an.
Der Workshop Fragrance of Tomorrow lud die Teilnehmenden dazu ein, in die Zukunft einzutauchen und Entscheidungen zu treffen, die das Leben eines fiktiven Kindes in einer von KI geprägten Welt beeinflussen. Das Szenario machte dabei deutlich, wie schnell vermeintlich einfache Fragen nach technologischen Möglichkeiten zu Überlegungen führen wie: Wer trägt Verantwortung? Welche Chancen wollen wir nutzen? Wo müssen wir Grenzen setzen, um menschliche Handlungsfähigkeit zu bewahren? Durch das Erleben möglicher Konsequenzen wurde KI nicht nur als technologische Innovation, sondern auch als ethische und gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe erfahrbar.
Wie sollte KI in einer Stadt wie Berlin eingesetzt werden? Und wer sollte darüber entscheiden? Future Kaleidoscope übersetzte diese Fragen in ein Strategiespiel zur KI-Governance. Gemeinsam diskutierten und entschieden die Teilnehmenden, wie Künstliche Intelligenz in Bereichen wie Bildung, Gesundheitswesen und Recht integriert werden könnte. Dabei wurde sichtbar, dass technologische Entscheidungen immer auch gesellschaftliche Entscheidungen sind. Unterschiedliche Interessen, Wertvorstellungen und Erwartungen müssen miteinander ausgehandelt werden.
Eine wünschenswerte Zukunft lässt sich deshalb nicht einfach vorhersagen. sie muss im Gegenteil gemeinsam entwickelt werden. Der Workshop zeigte, wie Strategic Design Räume für solche Aushandlungsprozesse schaffen kann. Aus abstrakten Debatten über Regulierung und Technologie wurden konkrete Szenarien, in denen unterschiedliche Perspektiven aufeinandertrafen.
Während die ersten beiden Workshops Verantwortung und gesellschaftliche Entscheidungsprozesse in den Mittelpunkt stellten, richtete Love Mediated den Blick auf eine besonders persönliche Ebene: Beziehungen, Identität und menschliche Verbindung. Die Teilnehmenden beschäftigten sich mit der Frage, wie KI unsere Art, miteinander in Beziehung zu treten, bereichern oder grundlegend verändern könnte. Welche Rolle wollen wir intelligenten Systemen in unserem emotionalen Leben zugestehen? Was macht menschliche Nähe aus? Und welche Aspekte unserer Beziehungen sollten wir bewusst selbst gestalten?
Der Workshop eröffnete einen Raum, um unterschiedliche Vorstellungen und mögliche Zukunftsbilder zu diskutieren. Dabei ging es nicht darum, eindeutige Antworten vorzugeben, sondern die richtigen Fragen zu stellen und die eigene Haltung zu reflektieren.

Diese Workshops waren aus einem umfassenden Design-Research-Prozess angestoßen worden, der bereits seit Oktober 2025 läuft. Die Studierenden setzten sich hier immer wieder mit wissenschaftlicher Literatur auseinander, führten Interviews mit Besucher:innen des Futuriums sowie KI-Expert:innen und ergänzten ihre Erkenntnisse durch Umfragen. Auf dieser Grundlage entwickelten sie Konzepte und Prototypen, die schließlich in interaktive Erfahrungen für ein breites Publikum übersetzt wurden.
So verband das Projekt Forschung, Experiment und gesellschaftlichen Dialog. Begleitet wurde die Arbeit von Prof. Julia Leihener und Prof. Katrin Androschin. Ein besonderer Dank gilt auch dem Futurium, insbesondere David Weigend, Kirstin Ackermann und dem gesamten Team, für die Zusammenarbeit.
Das Ergebnis zeigt, wie Strategic Design komplexe Themen zugänglich machen kann: indem Menschen nicht nur Informationen erhalten, sondern selbst Perspektiven erproben, Entscheidungen treffen und miteinander ins Gespräch kommen.

Dass Design weit über die Entwicklung einzelner Produkte hinausgeht, wurde auch bei der Konferenz FORM / FUTURE deutlich. In den ikonischen Räumlichkeiten des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof kamen Perspektiven aus Design, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik zusammen. Die Studierenden nutzten die Gelegenheit, ihre Projekte gemeinsam mit anderen Berliner Designhochschulen und -institutionen zu präsentieren. Im Zentrum standen hier zwei Innovationsprojekte, die auf unterschiedliche Weise untersuchen, wie Design gesellschaftliche Veränderungen anstoßen kann.

Freiheit, Demokratie, Solidarität und Menschenwürde prägen das europäische Selbstverständnis. Doch wie lassen sich solche abstrakten Werte im Alltag erfahrbar machen? In Zusammenarbeit mit der Europäischen Kommission entwickelten die Studierenden ein Projekt, das untersucht, wie europäische Werte in konkrete Erlebnisse und bedeutungsvolle Interaktionen übersetzt werden können. Der Ansatz eröffnet eine neue Perspektive auf die Vermittlung von Werten: Statt sie nur abstrakt zu erklären, geht es darum, Situationen zu gestalten, in denen Menschen ihre Bedeutung selbst erfahren und reflektieren können. Design wird damit zum Bindeglied zwischen Prinzipien und persönlichen Erfahrungen.
Wie würden sich unser Alltag, unsere Städte und unsere Gemeinschaften verändern, wenn wir die traditionellen Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben neu denken?
Mit dieser Frage beschäftigt sich das spekulative Designprojekt Live After Work, das in Kooperation mit dem VBKI entstand. Es untersucht alternative Vorstellungen davon, wie Arbeit unser Zusammenleben prägt und welche neuen Möglichkeiten sich ergeben könnten, wenn etablierte Lebensmodelle hinterfragt werden. Spekulatives Design schafft dabei Raum für Gedankenexperimente: Es entwirft mögliche Zukünfte, macht ihre Konsequenzen diskutierbar und hilft, Annahmen sichtbar zu machen, die im Alltag häufig unhinterfragt bleiben.
Ob Künstliche Intelligenz, europäische Werte oder die Zukunft unserer Arbeits- und Lebenswelten: Die Projekte der SRH-Studierenden zeigen, dass gesellschaftlicher Wandel dort beginnt, wo Menschen neue Möglichkeiten nicht nur diskutieren, sondern gemeinsam erkunden.
Strategic Design verbindet Forschung mit Gestaltung, kritische Reflexion mit praktischer Erfahrung und individuelle Perspektiven mit gesellschaftlichem Dialog. Es schafft Räume, in denen komplexe Fragen verständlich werden, unterschiedliche Standpunkte aufeinandertreffen und alternative Zukünfte vorstellbar sind.
Eine Erkenntnis verband alle Veranstaltungen: KI-Kompetenz bedeutet nicht nur zu verstehen, wie Technologie funktioniert. Sie bedeutet auch, KI zu hinterfragen, mitzugestalten und zu entscheiden, wohin wir sie führen wollen.