
Gemeinsam mit der Universität des Saarlandes untersuchte ein Team der SRH University, wie Cannabidiol (CBD) die Fettzusammensetzung von Zellmembranen verändert.
Gemeinsam mit der Universität des Saarlandes untersuchte ein Team der SRH University, wie Cannabidiol (CBD) die Fettzusammensetzung von Zellmembranen verändert.

Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland lebten laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft Ende 2025 mit einer Demenz, wobei die Alzheimererkrankung die häufigste Form der Demenz ist. Die Tendenz ist aufgrund des demografischen Wandels weiter steigend – neue Lösungen für Prävention und Therapie werden daher dringend gesucht. Eine aktuelle In-vitro-Laborstudie unter Leitung von Prof. Dr. habil. Marcus Grimm und Prof. Dr. Heike Grimm von der SRH University hat nun die Wirkung des Hanfwirkstoffs Cannabidiol (CBD) auf Alzheimer-Prozesse untersucht.
Im Mittelpunkt der gemeinsamen Studie mit der Universität des Saarlandes standen Zellmembranen. Ihre Fettbausteine (Lipide) sind für den Aufbau und die Funktion von Synapsen wichtig, den Kontaktstellen, über die Nervenzellen miteinander kommunizieren. Dazu gehören Phosphatidylcholine (PC) und verwandte Membranlipide wie Plasmalogene. Letztere sind für die Alzheimer-Forschung besonders interessant: In früheren Untersuchungen wurden im Gehirngewebe Erkrankter verminderte Mengen bestimmter Plasmalogene gefunden.
Auch zentrale Alzheimer-Prozesse finden an und in Membranen statt. Dort arbeiten Enzyme, sogenannte Sekretasen, die das Amyloid-Vorläuferprotein APP spalten. Dabei kann Amyloid-beta entstehen, das an der Erkrankung beteiligt ist. Die Fettumgebung beeinflusst die Aktivität dieser Enzyme. „Die Zusammensetzung der Membran ist deshalb ein wichtiger Ansatzpunkt, um Prozesse zu verstehen, die für die Funktion von Nervenzellen und für Alzheimer bedeutsam sind“, erklärt Prof. Dr. habil. Marcus Grimm.
CBD – günstig oder ungünstig für die Fettzusammensetzung?
Unter CBD nahmen die beiden untersuchten Gruppen von Phosphatidylcholinen insgesamt zu, während andere Lipidgruppen zurückgingen. Die Zunahme der Phosphatidylcholine zeigte sich auch in Zellen mit einer Alzheimer-relevanten APP-Variante. Damit verändert CBD Bausteine, die für neuronale Membranen wichtig sind. Die Zunahme dieser Membranbausteine könnte für den Aufbau und Erhalt neuronaler Membranen günstig sein.
Kritisch zu betrachten ist jedoch die relative Verschiebung der Fettzusammensetzung hin zu einem geringeren Anteil mehrfach ungesättigter Lipide. Letztere erfüllen wichtige Aufgaben in Zellmembranen. Eine Veränderung ihres Anteils könnte daher nachteilige Folgen haben. Zugleich sind solche Lipide anfälliger für oxidative Schäden. Ob die beobachteten Veränderungen insgesamt günstig oder ungünstig wirken, muss weiter untersucht werden.
Das Team erforscht deshalb auch chemisch veränderte CBD-Varianten, sogenannte Derivate. Ziel ist es, erwünschte Wirkungen zu verstärken und unerwünschte zu verringern. Damit verbindet die Forschung die Aufklärung zellulärer Vorgänge mit der Suche nach möglichen neuen therapeutischen Ansätzen.
Aus dieser Studie lässt sich angesichts der unterschiedlichen Lipidveränderungen keine allgemeine Empfehlung zur Einnahme von CBD ableiten. Weitere Studien müssen klären, wie sich die Veränderungen insgesamt auswirken, ob sich potenziell nachteilige Effekte gezielt verringern lassen und inwieweit die Ergebnisse auf den Menschen übertragbar sind.
Originalpublikation: Walzer O. et al. (2026): Lipidomic Evidence for Cannabidiol-Induced Remodeling of Cellular Lipid Composition in SH-SY5Y Cells. Cells, 15(18), 1714. https://doi.org/10.3390/cells15181714