SRH University
Zwei Männer sitzen in modernen Sesseln auf einer Bühne, während sie sich unterhalten. Im Hintergrund sind farbige Lichter und Vorhänge sichtbar.

Interview: Die Zukunft der Musikbranche

Lesedauer: 15 Min.
verfasst von Robert Lingnau

Musikproduzent Mitch Dörfler erläutert im Gespräch mit Prof. Robert Lingnau:

  • Die Rolle von KI in der Musikbranche
  • Wie aus einer ersten Idee ein fertiger Song entsteht
  • Wie der Weg ins Musikbusiness heute gelingt
  • Worauf es bei der Zusammenarbeit mit Künstler:innen ankommt
  • Welche Entwicklungen die Musikbranche aktuell prägen

KI ersetzt Kreativität nicht, sie macht sie wertvoller!

Künstliche Intelligenz komponiert Songs in wenigen Sekunden, Streaming hat die Musikbranche grundlegend verändert und neue Technologien entwickeln sich schneller denn je. Was bedeutet das für Menschen, die Musik professionell produzieren oder in der Kreativwirtschaft arbeiten möchten?
Welche Kompetenzen werden künftig wirklich gefragt sein? Reicht technisches Know-how oder bleiben Kreativität, musikalisches Verständnis und Teamfähigkeit die entscheidenden Erfolgsfaktoren?


Robert Lingnau: Technologien entwickeln sich heute rasant. Künstliche Intelligenz, immersive Audioformate oder ständig neue Produktionssoftware verändern den Berufsalltag. Wie erlebst du diese Entwicklung?

Mitch Dörfler: Ich empfinde sie vor allem als Chance. Neue Technologien gehören für mich ganz selbstverständlich zum kreativen Prozess. Ich probiere gern neue Plugins, Software oder Workflows aus und schaue, welche Möglichkeiten sie eröffnen. Diese Neugier sorgt dafür, dass Lernen gar nicht wie Lernen wirkt – sondern einfach Teil meines Berufs ist.

Robert Lingnau: Gerade Einsteiger fühlen sich von dieser Vielfalt häufig überfordert. Wo sollte man anfangen?

Mitch Dörfler: Bei den Grundlagen. Die Versuchung ist groß, sich sofort auf die neuesten Tools oder spektakuläre Effekte zu konzentrieren. Nachhaltige Qualität entsteht aber durch ein solides Fundament. Wer versteht, wie Musik, Klang und Produktion grundsätzlich funktionieren, kann neue Technologien viel schneller einordnen und sinnvoll einsetzen. Ein Studium hilft genau dabei. Es vermittelt nicht nur Fachwissen, sondern gibt Orientierung. Gerade weil Informationen heute überall verfügbar sind, braucht es Menschen, die helfen, Prioritäten zu setzen und einen strukturierten Lernweg zu entwickeln.

Eine Hand spielt auf einem Keyboard, während die andere Hand bereit ist, Tasten zu drücken. Die Person trägt eine Uhr und sitzt an einem Stuhl.

Warum Soft Skills in der Musikbranche immer wichtiger werden

Robert Lingnau: Unternehmen sprechen heute häufig weniger über Softwarekenntnisse als über Persönlichkeit. Teilst du diese Beobachtung?

Mitch Dörfler: Absolut. Natürlich muss man sein Handwerk beherrschen. Aber danach zählen vor allem Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit und eine professionelle Arbeitsweise. Die besten Produktionen entstehen selten allein. Im Studio arbeitet man oft viele Stunden eng zusammen. Deshalb möchten Produzenten mit Menschen arbeiten, auf die sie sich verlassen können und mit denen die Zusammenarbeit funktioniert. Talent ist wichtig – aber ohne Verlässlichkeit bringt es einen nicht weit.

 

Die Gesprächspartner: Mitch Dörfler und Prof. Robert Lingnau

Michael „Mitch“ Dörfler arbeitet seit vielen Jahren als Musikproduzent, Audio Engineer und Sound-Spezialist für nationale und internationale Produktionen. Als Produzent, Musiker und Hochschuldozent begleitet er technologische Entwicklungen wie Streaming, Immersive Audio und Künstliche Intelligenz seit ihren Anfängen und kennt die Anforderungen der Musikbranche aus erster Hand.

Prof. Robert Lingnau lehrt an der SRH University und beschäftigt sich seit vielen Jahren mit Musikproduktion, Audio Engineering sowie der Entwicklung moderner Lehrkonzepte für die Kreativwirtschaft. Sein Schwerpunkt liegt auf Musiktheorie, projektbasiertem Lernen und der Verbindung von akademischer Ausbildung und beruflicher Praxis. Gemeinsam mit Kollegen entwickelte er die ersten Studiengänge in diesem Bereich an der SRH University (damals: hdpk Hochschule der populären Künste).

Zwei Personen sitzen auf einer Bühne in bequemen Stühlen, während sie sich unterhalten. Im Hintergrund sind bunte Lichter und ein Bildschirm sichtbar.


Robert Lingnau: Kaum ein Thema wird derzeit so intensiv diskutiert wie Künstliche Intelligenz. Wird sie kreative Berufe grundlegend verändern?

Mitch Dörfler: Sie verändert sie bereits. Routineaufgaben werden zunehmend automatisiert. Für funktionale Musik oder erste Ideen liefert KI heute erstaunlich gute Ergebnisse. Sobald jedoch Emotionen, persönliche Entscheidungen oder kreative Feinheiten gefragt sind, stoßen diese Systeme an ihre Grenzen. Genau dort beginnt menschliche Kreativität. Ich glaube deshalb nicht, dass Kreative verschwinden. Im Gegenteil: Wirklich originelle Ideen werden künftig noch wertvoller sein.

Robert Lingnau: Welche Fähigkeiten sollten Studierende heute entwickeln?

Mitch Dörfler: Vor allem neugierig bleiben. Veränderungen nicht als Bedrohung sehen, sondern als Chance. Gleichzeitig sollte man die Grundlagen beherrschen und lernen, im Team zu arbeiten. Technologien werden sich während einer gesamten Karriere immer wieder verändern. Wer gelernt hat, Probleme kreativ zu lösen, selbstständig zu recherchieren und gemeinsam Projekte umzusetzen, wird sich auch in Zukunft erfolgreich weiterentwickeln können.

 

Musikproduktion studieren – Kreativität mit Technologie verbinden

Die Musikbranche entwickelt sich ständig weiter. Gefragt sind Menschen, die technisches Know-how mit Kreativität, Teamfähigkeit und Innovationsgeist verbinden. An der SRH University arbeiten Studierende von Beginn an projektorientiert, entwickeln eigene Produktionen und sammeln wertvolle Praxiserfahrung gemeinsam mit Lehrenden und Branchenexperten.

Ein Mann mit lockigem Haar sitzt an einem Mischpult und justiert die Regler in einem Tonstudio. Im Hintergrund sind weitere Personen zu sehen.

Gute Musik beginnt mit starken Grundlagen

Robert Lingnau: Viele Einsteiger möchten möglichst schnell mit den neuesten Plugins oder spektakulären Produktionstechniken arbeiten. Welchen Rat gibst du ihnen?

Mitch Dörfler: Konzentriert euch zuerst auf die Grundlagen. Musikproduktion besteht aus vielen einfachen Bausteinen, die zusammenspielen. Erst wenn dieses Fundament sitzt, ergeben komplexe Werkzeuge wirklich Sinn. Vor Kurzem fragte mich der Sohn eines Freundes nach einem Tipp für sein Gitarrenspiel. Er spielte beeindruckende Soli, aber ich habe ihm geraten, zunächst Timing und Groove zu trainieren. Wenn ich Musiker für eine Produktion auswähle, sind genau diese Grundlagen entscheidend – nicht das spektakulärste Solo.

Robert Lingnau: Das erinnert mich ans Kochen. Viele möchten sofort anspruchsvolle Gerichte zubereiten, dabei ist ein perfektes Rührei oft die größere Herausforderung.

Mitch Dörfler: Genau. Man kann Entwicklungsschritte kaum überspringen. Erst lernt man die Grundlagen, dann wird man kreativ und irgendwann entwickelt man ein Gespür dafür, welche Emotion eine Produktion transportieren soll. Jeder dieser Schritte baut auf dem vorherigen auf.

💡 Drei Tipps für den Einstieg in die Musikproduktion

✔ Beherrsche zuerst die Grundlagen – nicht die neuesten Plugins.

✔ Timing, Groove und musikalisches Verständnis schlagen spektakuläre Effekte.

✔ Entwicklung braucht Zeit – Abkürzungen gibt es selten.

Warum Zuverlässigkeit oft wichtiger ist als Talent

Robert Lingnau: Welche Eigenschaften machen aus guten Musikern erfolgreiche Profis?

Mitch Dörfler: Talent ist wichtig – aber es reicht nicht. Ich kenne viele außergewöhnlich gute Musiker. Manche sind allerdings nur dann großartig, wenn sie gerade in der richtigen Stimmung sind. So funktioniert die professionelle Musikbranche nicht. Wer langfristig erfolgreich sein möchte, muss zuverlässig sein. Auftraggeber müssen sich darauf verlassen können, dass Termine eingehalten werden und die Zusammenarbeit funktioniert. Mindestens genauso wichtig ist der Umgang mit anderen Menschen. Im Studio verbringt man oft viele Stunden miteinander. Deshalb möchten Produzenten mit Menschen arbeiten, die professionell auftreten und mit denen die Zusammenarbeit einfach Freude macht.

Ein Mischpult mit mehreren Reglern und Schiebereglern, das für die Audiobearbeitung verwendet wird.

Selbstbewusst auftreten ohne sich zu verstellen

Robert Lingnau: Viele Berufseinsteiger fühlen sich unsicher, wenn sie plötzlich mit bekannten Künstlern oder erfahrenen Produzenten zusammenarbeiten. Wie kann man Selbstvertrauen entwickeln?

Mitch Dörfler: Das Wichtigste ist, authentisch zu bleiben. Natürlich ist es etwas Besonderes, mit erfolgreichen Künstlerinnen oder Künstlern zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig bringt es nichts, sich kleiner zu machen oder ständig zu betonen, wie beeindruckt man ist. Auf der anderen Seite sollte man auch nicht überheblich auftreten. Wer gut vorbereitet ist und seinen Beruf beherrscht, darf selbstbewusst sein. Die beste Grundlage ist deshalb immer gute Arbeit – kombiniert mit einer natürlichen, respektvollen Haltung.

Robert Lingnau: Als ich angefangen habe, habe ich zunächst ohne Bezahlung arrangiert, um Referenzen zu sammeln. Daraus entstand der erste bezahlte Auftrag, später der nächste. Ich habe meine Karriere immer wie einen Baum gesehen: Aus einem Projekt entstehen neue Kontakte und neue Möglichkeiten. Wie funktioniert dieser Einstieg heute?

Mitch Dörfler: Früher schickte man Demo-Tapes an Plattenfirmen oder Labels. Heute sind Plattformen wie SoundCloud, YouTube oder Instagram wichtige Schaufenster für die eigene Arbeit. Die Möglichkeiten sind größer geworden – gleichzeitig muss man dauerhaft sichtbar bleiben und kontinuierlich neue Projekte zeigen.

Robert Lingnau: Die Digitalisierung hat nicht nur verändert, wie Musik veröffentlicht wird – sondern auch, womit Künstler und Produzent ihr Geld verdienen. Was hat sich aus deiner Sicht am stärksten verändert?

Mitch Dörfler: Früher produzierte man ein Album, das anschließend verkauft wurde. Heute ist das Album oft Teil einer größeren Strategie. Die Musik ist nicht mehr das einzige Produkt. Sie stärkt vor allem die Marke einer Künstlerin oder eines Künstlers. Früher waren Beteiligungen an Albumverkäufen für Produzenten besonders interessant. Heute entstehen Einnahmen häufig über Konzerte, Merchandising oder andere Geschäftsbereiche. Das hat auch meine Arbeit als Produzent verändert.

 

Mach deine Leidenschaft zum Beruf

Du möchtest Musik nicht nur hören, sondern gestalten? Entdecke unsere Studiengänge Musikproduktion ↗, Audiodesign ↗, Classical Music ↗, World Music ↗ und Popularmusik ↗ – und finde den Studiengang, der zu deiner musikalischen Leidenschaft passt.

 

Fazit: Berufseinstieg in der Musikbranche

Während früher möglichst viele Verkäufe am Veröffentlichungstag entscheidend waren, geht es heute darum, langfristig sichtbar zu bleiben. Neue Songs, Remixe oder kurze Videos sorgen dafür, dass Künstler:innen regelmäßig mit ihrem Publikum in Kontakt bleiben. Erfolg entsteht heute oft Schritt für Schritt – weniger durch einen einzigen großen Moment als durch kontinuierliche Präsenz.

Was bedeutet das für Studierende?

Die Musikbranche bietet heute mehr Möglichkeiten als je zuvor. Gleichzeitig verändern sich Technologien, Geschäftsmodelle und Berufsbilder kontinuierlich. Wer langfristig erfolgreich sein möchte, braucht deshalb mehr als technisches Know-how. Entscheidend sind solide Grundlagen, Eigeninitiative, Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke und die Bereitschaft, sich immer wieder auf neue Entwicklungen einzulassen. Ein praxisorientiertes Studium schafft dafür die Basis. Es vermittelt nicht nur fachliche Kompetenzen in Musikproduktion, Audio Engineering oder Audio Design. Studierende arbeiten außerdem projektorientiert, sammeln Praxiserfahrung und bauen frühzeitig ein Netzwerk auf – wichtige Voraussetzungen für den späteren Berufseinstieg.

Autor und Gesprächspartner

Prof. Robert Lingnau

Professor für Musiktheorie, Arrangement und Gehörbildung

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Zwei Männer sitzen in einem Gespräch auf einer Bühne. Einer trägt eine Brille und einen Hut, der andere hat einen Bart und trägt eine Jacke.

Mitch Dörfler

Musikproduzent, Audio Engineer und Sound-Spezialist

Michael „Mitch“ Dörfler gehört zu den erfahrenen Produzenten und Audio-Experten der internationalen Musikbranche. Seit vielen Jahren arbeitet er als Musikproduzent, Audio Engineer und Sound-Spezialist an nationalen und internationalen Produktionen. Seine Erfahrung reicht von Studio- und Liveproduktionen über Werbe- und Medienprojekte bis hin zu innovativen Produktionsformen wie Immersive Audio und KI-gestützter Musikproduktion. Als Produzent kennt er sowohl die Anforderungen der Kreativwirtschaft als auch die Kompetenzen, die Studierende für ihren Berufseinstieg in den Bereichen Music Production, Audio Design und Audio Engineering heute benötigen.