SRH University
Drei Studierende sitzen auf dem Rasen, schauen auf einen Laptop und diskutieren. Ein Fahrrad steht im Hintergrund.

Gruppenarbeiten im Studium

Lesedauer: 12 Min.
verfasst von Anja Knippel

Darum geht’s:

  • Gruppenarbeiten sind im Studium trotz Herausforderungen eine wertvolle Lernmethode
  • Vor- und Nachteile von Gruppenarbeiten aus der Perspektive von Studierenden
  • Was Lehrende an Gruppenarbeiten schätzen
  • 5 praktische Tipps für erfolgreiche und entspannte Zusammenarbeit

Gruppenarbeiten in den unterschiedlichsten Formen sind an Hochschulen nicht mehr wegzudenken. Oft stoßen sie bei Studierenden jedoch auf wenig Begeisterung. Zunächst aber ist klar: Alles hat zwei Seiten und je nach Perspektive – ob aus Studierenden- oder Professor:innen-Sicht – haben Gruppenarbeiten jeweils andere Vorteile und Nachteile

In diesem Artikel zeigen wir, warum sich Gruppenarbeiten im Studium lohnen können und wie eine gute Zusammenarbeit im Team gelingt.

✨ Wenn wir im Folgenden von einer Gruppenarbeit sprechen, kann es sich um einen kurzen informellen Austausch, eine gemeinsame Erarbeitung innerhalb einer Vorlesung oder auch um ein gesamtes Gruppen-Modul über mehrere Wochen hinweg handeln.

Was sind die Vorteile einer Gruppenarbeit aus Sicht der Lehrenden?

Aus Sicht der Lehrenden haben Gruppenarbeiten viele Vorteile:

  • Studierende in Kontakt miteinander bringen
  • Klima zu offenem Austausch fördern 
  • Aktivität, Partizipation und Spaß am Lernen fördern: Gruppenarbeiten an der Hochschule bieten eine andere Auseinandersetzung mit Inhalten (und Quellen) als Präsentationen durch die Lehrperson, bei denen Studierende schnell in einen konsumierenden Modus à la „Zuschauen, Entspannen, Nachdenken“ (oder manchmal auch Nebenher-etwas-anderes-Tun) verfallen. 
  • Unterschiedliche Stärken ergänzen sich (idealerweise) in der Gruppe.
  • Bei der Gruppenarbeit kann jede:r auch viel über sich (und natürlich über die anderen) lernen – Stichwort Sozial- und Selbstkompetenzen.

Gut zu wissen

💡Unsere Lehrveranstaltungen an der SRH University sind dank unseres CORE-Prinzips interaktiv und kompetenzorientiert ausgerichtet. Das heißt, wenn du einen Ort suchst, bei dem du dich unauffällig wegducken kannst, bist du bei uns falsch. Die „gute Nachricht“: Wir haben uns bei der methodischen Planung etwas gedacht. ;)

Was sind die Nachteile einer Gruppenarbeit aus Sicht der Lehrenden?

Natürlich gibt es auch aus Sicht der Lehrenden Nachteile: 

  • Gruppenarbeiten brauchen viel Zeit.
  • Sie brauchen eine nicht zu unterschätzende gute Vorbereitung und einen klaren Arbeitsauftrag (auch wenn es vielleicht so aussieht, sind Gruppenarbeiten meist nicht spontan aus dem Ärmel geschüttelt).     
  • Die Präsentation und Auswertung der Arbeitsergebnisse zieht sich und andere Gruppen können schnell das Interesse verlieren.
  • Die Sicherung der Ergebnisse und Dokumentation ist technisch aufwändig (z. B. mit dem privaten Handy abfotografieren und sich selbst an den Hochschul-Account mailen).
  • Die Ergebnisse brauchen manchmal noch eine Rahmung oder Ergänzung und sind nicht immer treffsicher zum Auftrag.

Was sind die Nachteile einer Gruppenarbeit aus Sicht der Studierenden?

Oft löst die Ankündigung einer Gruppenarbeit nicht gerade Begeisterung aus – doch warum? 
Vermutlich ist es in vielen Fällen die Autonomie, welche in einer Gruppenarbeit gleich doppelt eingeschränkt sein kann – zum einen hättest du vielleicht lieber alleine an der Aufgabe gearbeitet, zum anderen gilt es, sich in der Gruppe abzustimmen und Kompromisse einzugehen. Hinzu kommt die Befürchtung, durch andere „ausgebremst“ zu werden. 

Vielleicht ist es auch das Gefühl, „raus aus der Komfortzone“ zu müssen, wenn du dir den Arbeitsplatz im Seminarraum bereits mit Kaffeebecher, Laptop und Rucksack gemütlich eingerichtet hat: Dann gilt es aufzustehen, sich mit anderen – vielleicht unbekannten Kommiliton:innen – zusammenzufinden, abzustimmen und miteinander auf die Inhalte zu verständigen. Das ist Arbeit!

Vier junge Erwachsene sitzen an einem Tisch, lächeln und diskutieren, umgeben von Büchern und Notizen. Ein Kaffeebecher steht auf dem Tisch.

Was sind die Vorteile einer Gruppenarbeit aus Sicht der Studierenden?

Was Studierende an Gruppenarbeiten als Lernmethode schätzen: Neben dem Bedürfnis nach Kompetenz und Autonomie haben Menschen (laut Deci & Ryan) das Grundbedürfnis nach sozialer Eingebundenheit und Zugehörigkeit. Daher kann es durchaus positiv sein, in Gruppenarbeiten mit anderen in Kontakt zu kommen, neue Kommiliton:innen kennen- und vielleicht auch schätzen zu lernen oder sich etwas von ihnen abschauen zu können. 

Tipp 1: Gehe mit einem “Growth Mindset” an die Gruppenarbeit

Carol Dweck hat zu unterschiedlichen Mindsets geforscht und zwei Typen identifiziert: Das sogenannte „Growth Mindest“ und das „Fixed Mindset“.

Mit dem Growth Mindset (für Kinder als „Bubble Gum Brain“ veranschaulicht) gehst du davon aus, dass Lernen möglich ist und harte Arbeit sich lohnt. Wenn du etwas noch nicht kannst (Betonung liegt auf NOCH nicht), dann strengst du dich an und übst es, bis du es kannst. 

Mit einem Fixed Mindset allerdings (für Kinder in der Metapher eines „Brick Brain“ dargestellt) gehst du davon aus, dass es Talent gibt und du etwas kannst oder eben nicht. Statistik liegt dir nicht? Dann brauchst du dich gar nicht erst zu bemühen, vermeidest die Beschäftigung damit und schiebst ein schlechtes Klausurergebnis eher auf die schweren Aufgaben oder eine ungerechte Benotung. 

✨ Das Mindset entscheidet bei Gruppenarbeiten darüber, wie sich die Studierenden aufeinander einlassen, ob sie sich anstrengen und ob – bzw. was – sie aus der Aufgabe lernen. Die wesentliche Annahme beim Growth Mindset ist nämlich: Wenn es anstrengend wird, lernen wir etwas Neues! Also – bei Schwierigkeiten nicht gleich aufgeben, sondern erst recht aktiv mitmachen!

Ein Junge mit kurzem, dunklem Haar bläst einen Kaugummiball und lächelt vor einem blauen Hintergrund.

Tipp 2: Kläre Ziele und Erwartungen direkt von Beginn an

Auch wenn sich die Lehrenden bemühen, einen möglichst klaren Arbeitsauftrag zu formulieren (idealerweise schriftlich auf Folie oder in den Unterlagen), ist es zusätzlich wichtig, in der Gruppe zu klären, was jede:r Einzelne darunter versteht. Haben alle die gleiche Auffassung davon, was zu tun ist und welches Ergebnis die Gruppe erarbeiten soll? Manchmal hilft ein Handyfoto von der PowerPoint-Präsentation mit dem Arbeitsauftrag, damit keine Teilaufgabe und kein Hinweis vergessen wird (z. B. Quellen ausweisen? Ups, wir haben halt gegoogelt…). 

Eine sinnvolle Regel für gute Gruppenarbeiten ist es, bei längeren Aufträgen zu Beginn offen zu legen, wer wann wie viel Zeit einbringen kann. Ein laut ausgesprochenes Commitment ist mehr wert als ein bei sich gedachter guter Vorsatz. So zeigt sich vielleicht auch, dass nicht alle gleich viel investieren können. Dazu braucht es frühzeitig Absprachen, damit nicht hinterher alle frustriert sind. 

Tipp 3: Verteile Aufgaben und Rollen klar

Selbst bei Gruppenarbeiten von nur 15 bis 45 Minuten lohnt sich schon eine kurze Rollenverteilung zu Beginn. In einer Minute lässt sich klären, wer Zeitwächter:in ist und die Uhr im Blick hat, wer Ideen und Ergebnisse mitschreibt und in Schaubildern visualisiert – digital oder auf Flip Chart – und ob ggf. jemand als Advocatus Diaboli (wörtlich Anwalt des Teufels) kritisch hinterfragt und Ergebnisse abklopft, ohne destruktiv zu sein. 

Bei längeren Gruppenarbeiten kann man sich Kreativitätstechniken zunutze machen wie beispielsweise die „Walt-Disney-Technik“. Hier werden Ideen und Konzepte mit den Rollen „Träumer“, „Macher/Realist“ und „Kritiker“ bearbeitet und konkretisiert. Nach deBono sind es sechs farbige „Denkhüte“, die für unterschiedliche Qualitäten stehen (z. B. strukturiertes, analytisches, emotionales, kritisches, optimistisches und kreatives Denken). 

✨ Natürlich gibt es auch wissenschaftlich fundierte Rollenmodelle in der Zusammenarbeit, die auf persönlichkeitsbedingten Unterschieden basieren (z. B. nach Belbin oder Riemann-Thomann). Zudem kann es bei längerer Zusammenarbeit in einem Projekt interessant sein, sich über unterschiedliche Arbeitsstile zu verständigen und die Stärken der Einzelnen gezielt zu nutzen. 

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Tipp 4: Fokussiere dich auf Stärken und Ressourcen

Klar, die Hochschule soll zu kritischem Denken befähigen. Gleichwohl stehen wir uns mit unserer „Gehirn-Werkseinstellung“ mit Fokus auf Negatives oft selbst im Wege. Hilfreich ist daher ein bewusster Blick auf die Stärken: die eigenen Stärken, die der anderen sowie auf das bereits Erreichte. 

Der erste Schritt ist es, die Wahrnehmung überhaupt erst auf das Positive zu lenken. Weil wir üblicherweise als Erstes auf das blicken, was schief läuft, stellen wir uns Positiv-Fragen: 

  • Was können die anderen besonders gut?
  • Was sind gute/kreative Ideen?
  • Wer hat eine besonders schöne Schrift und kann Inhalte gut visualisieren?
  • Wer kann gut zusammenfassen und auf den Punkt bringen?     

Was uns an anderen nervt, fällt uns nämlich sofort auf!
✨Der nächste Schritt wäre es, das Positive dann auch auszusprechen – informell und ad hoc oder in einem geeigneten Rahmen. Schließlich wollen wir uns alle wertgeschätzt fühlen.

Tipp 5: Nimm dir Zeit für Feedback

Feedback ist im agilen Arbeiten zwar fest institutionalisiert, im Hochschul-Alltag kommt es aber oft viel zu kurz. Es kann zwischendurch in der Gruppenarbeit („Oh, gute Idee!“, „Wichtige Frage“ oder „Danke für den Hinweis zur Zeit“) und natürlich am Schluss (zum Ergebnis und zum Prozess) gegeben werden. 

Was im Projektmanagement vorgesehen ist, leider aber oft dem hektischen Tagesgeschäft geopfert wird, ist ein Projektabschluss (so wie es idealerweise auch einen Kick-off als Auftakt gibt). So kann es nach einer Gruppenarbeit im Rahmen eines 5-Wochen-Blocks durchaus schön sein, einen gemeinsamen Abschluss zu gestalten, gemeinsam Mittag zu essen oder sich nochmals abends zu treffen, wenn das Modul abgeschlossen ist. 

Eine Gruppe von neun Personen sitzt an einem Tisch, genießt Essen und Getränke und lacht miteinander in einer hellen, freundlichen Umgebung.

Dabei ist Gelegenheit, Positives und Geleistetes zu würdigen und sich für einzelne Beiträge zu bedanken. Zum Beispiel in Form eines kurzen „Blitzlichts“ oder einer „Stärken-Dusche“: Hier sagt reihum jede:r kurz zu allen Beteiligten, was hilfreich war, was der:die Kommiliton:in gut kann oder was im Miteinander Spaß gemacht hat. 

Zum Abschluss ist auch Platz, konstruktiv etwas rückzumelden, was vielleicht in der Zusammenarbeit anstrengend war. Dazu gehört natürlich, selbst zugänglich zu sein und sich aktiv Feedback von anderen einzuholen, um daraus lernen zu können – sowohl was du bereits gut kannst als auch, woran du in den Augen deiner Gruppenmitglieder noch arbeiten kannst.     

Fazit

Auch wenn du dir vielleicht weder die Gruppenarbeit selbst noch die anderen Mitglieder der Gruppe ausgesucht hättest, halte es einfach mal für möglich, dass es richtig gut werden kann. 

Dein Mindset und deine Beiträge können wesentlich zum Erfolg der Gruppe beitragen. Und selbst wenn die Gruppe nicht super performt, kannst du mit Sicherheit etwas aus der Gruppenarbeit lernen und für dich mitnehmen. 

Mehr lesen?

Mehr Infos findest du in Quellen zu Team- und Zusammenarbeit, (agilem) Projektmanagement, Kreativitätstechniken und in der Positiven Psychologie. 

Autorin

Prof. Dr. Anja Knippel

Professorin für Erwachsenenbildung und Personalentwicklung

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FAQ: Häufig gestellte Fragen

Eine gute Gruppenarbeit zeichnet sich vor allem durch klare Rahmenbedingungen, offene Kommunikation und die richtige Einstellung (Growth Mindset) aus. Wichtige Bausteine sind:

  • Gemeinsames Zielverständnis: Alle Gruppenmitglieder verständigen sich zu Beginn explizit auf den Arbeitsauftrag und die Erwartungshaltung.
  • Verbindliche Absprachen: Kapazitäten und Verfügbarkeiten werden offen angesprochen.
  • Fokus auf Ressourcen: Die Gruppe richtet den Blick bewusst auf die individuellen Stärken der Einzelnen und wertschätzt gute Ideen.
  • Feedback-Kultur: Es gibt Raum für Rückmeldungen zwischendurch und ein wertschätzendes Ende der Zusammenarbeit.

Gruppenarbeiten fördern nicht nur das Fachwissen, sondern schulen vor allem deine Sozial- und Selbstkompetenzen:

  • Persönlichkeitsentwicklung & Selbstreflexion: Du lernst deine eigenen Arbeitsstile, Reaktionsmuster und Stärken besser kennen.
  • Kompromiss- und Teamfähigkeit: Du übst dich darin, dich mit anderen abzustimmen, gemeinsam Lösungen zu erarbeiten und Kompromisse einzugehen.
  • Perspektivwechsel: Der Austausch zeigt dir neue Sichtweisen auf Inhalte und Quellen.
  • Kritikfähigkeit: Durch aktives Feedback lernst du, eigene Arbeitsweisen anzupassen und Rückmeldungen konstruktiv zu nutzen.

Schon bei kurzen Aufgaben lohnt sich eine Verteilung klarer Rollen, um effizient zu bleiben. Typische Rollen im Studienalltag sind:

  • Zeitwächter:in: Behält die verbleibende Zeit und Deadlines im Blick.
  • Protokollant:in / Visualisierer:in: Schreibt Ideen auf und stellt Ergebnisse digital, auf dem Flipchart oder Präsentationsfolien dar.
  • Advocatus Diaboli: Hinterfragt Ideen kritisch, um Ergebnisse abzuklopfen, ohne dabei destruktiv zu sein.
  • Kreative Rollenmodelle (z. B. Walt-Disney-Technik): Aufteilung in „Träumer:in“ (Ideenfindung), „Macher:in / Realist:in“ (Umsetzung) und „Kritiker:in“ (Analyse).
  • Wissenschaftliche Rollen: Zudem lassen sich verhaltens- und persönlichkeitsbasierte Rollenmodelle (wie z. B. nach Belbin oder Riemann-Thomann) nutzen, um gezielt Stärken im Team einzusetzen.

 

Gruppenarbeiten bereiten auf die Zusammenarbeit im Berufsleben vor. Sie fördern den Austausch mit Kommiliton:innen, stärken soziale Kompetenzen und ermöglichen es, unterschiedliche Fähigkeiten und Erfahrungen gewinnbringend zu kombinieren.

Gruppenarbeiten erleichtern den Austausch von Wissen, fördern gegenseitige Unterstützung und helfen dabei, neue Perspektiven kennenzulernen. Viele Studierende profitieren außerdem davon, ihr Netzwerk auszubauen und voneinander zu lernen.

Zu den häufigsten Herausforderungen gehören ungleiche Arbeitsverteilung, unterschiedliche Erwartungen, Terminfindung und Kommunikationsprobleme. Klare Absprachen, definierte Rollen und regelmäßige Abstimmungen helfen dabei, diese Schwierigkeiten frühzeitig zu vermeiden.

Eine gute Gruppenarbeit beginnt mit einer gemeinsamen Zielklärung. Anschließend sollten Aufgaben passend zu den Stärken der Gruppenmitglieder verteilt, Zwischenstände regelmäßig besprochen und Feedback eingeholt werden. Ein lösungsorientiertes Mindset und gegenseitige Wertschätzung tragen entscheidend zum Erfolg bei.

Konflikte lassen sich nicht immer verhindern, aber häufig entschärfen. Wichtig sind eine offene Kommunikation, transparente Erwartungen, klare Verantwortlichkeiten und das frühzeitige Ansprechen von Problemen. Werden unterschiedliche Meinungen respektvoll diskutiert, können Konflikte sogar zu besseren Ergebnissen führen.