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Vier Frauen stehen im Freien und diskutieren. Eine Frau hält ein Clipboard und spricht, während die anderen aufmerksam zuhören.

Qualitativ vs. quantitativ: Welche Forschungsmethoden gibt es?

Lesedauer: 15 Min.
verfasst von Marie-Luise Unteutsch

Darum geht’s:

  • Lerne, wie sich qualitative und quantitative Forschungsmethoden unterscheiden.
  • Verstehe, wann du verallgemeinerbare Ergebnisse brauchst – und wann tiefgehende Einblicke wichtiger sind.
  • Erfahre, wie du beide Ansätze in deiner Forschungsmethodik sinnvoll kombinierst.

Interviews, Umfragen, Experimente, Beobachtungen – im Laufe deines Studiums begegnen dir diverse Forschungsmethoden, denn: Wissenschaftliches Arbeiten funktioniert auf vielfältige Art und mit unterschiedlichen methodischen Herangehensweisen. Was aber allen Forschungsmethoden gemeinsam ist:  Sie haben das Ziel, eine wissenschaftliche Frage zu beantworten. 

Spätestens, wenn du anfängst, deine Abschlussarbeit zu schreiben, stößt du wahrscheinlich auf die Unterscheidung von quantitativen Forschungsmethoden und qualitativen Forschungsmethoden. Obwohl beide Ansätze Daten sammeln, also empirische Forschungsmethoden sind, nutzen sie grundlegend verschiedene Arten der Datenerhebung und Datenauswertung, um Antworten auf die Forschungsfrage zu finden. 

In diesem Artikel geben wir dir einen Forschungsmethoden-Überblick und zeigen dir die wichtigsten Unterschiede zwischen qualitativer und quantitativer Forschung sowie deren Anwendung in wissenschaftlichen Arbeiten.

Forschungsmethoden im Überblick

Bevor wir uns die Unterschiede zwischen qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden ansehen, lohnt sich ein Blick auf die wichtigsten Arten wissenschaftlicher Forschungsmethoden. 

ForschungsmethodeKategorieTypische Beispiele
Quantitative ForschungEmpirischUmfragen, Experimente, standardisierte Beobachtungen
Qualitative ForschungEmpirischInterviews, Fokusgruppen, Tagebücher, Inhaltsanalysen
Mixed MethodsEmpirischKombination qualitativer und quantitativer Methoden
LiteraturarbeitNicht-empirischLiteraturreview, Theoriebildung, Konzeptanalyse

 

💡Nicht jede wissenschaftliche Arbeit benötigt eine eigene Datenerhebung. Viele Bachelor- und Masterarbeiten basieren ausschließlich auf der systematischen Analyse wissenschaftlicher Literatur.

 

Qualitative und quantitative Forschungsmethodik: Eine Frage, zwei Ansätze

Wir können die wesentlichen Unterschiede zwischen den Forschungsmethoden an einem Beispiel aus der Psychologie greifbar machen. Eine interessante Frage könnte hier sein: Träumen wir umso häufiger von emotional intensiven Erlebnissen, je weniger am Tag wir über diese sprechen?

Diese Frage lässt sich psychologisch untersuchen, indem wir Trauminhalte, emotional intensive Erlebnisse und das Ausmaß, in dem über diese gesprochen wird, messen. 

➡️ Wir entscheiden uns in der Regel schon bei der Art der Messung, ob wir eine quantitative oder qualitative Forschungsmethode wählen.

Eine Person sitzt an einem Tisch, schreibt auf einem Notizblock und hat einen Laptop sowie ein Smartphone vor sich.

Quantitative Forschung: Messen, zählen, vergleichen

Quantitative Forschungsmethoden haben das Ziel, eine Forschungsfrage zu beantworten, indem Messungen an möglichst vielen Personen durchgeführt und diese dann statistisch ausgewertet werden. Wichtig ist hier, dass sich die Messungen in Zahlen übersetzen lassen.

Diese Messungen werden häufig mit Hilfe folgender Methoden durchgeführt: 

  • Standardisierte Umfrage: Fragebögen mit vorgegebenen Antwortmöglichkeiten
  • Experiment: Untersuchung von Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen unter kontrollierten Bedingungen
  • Korrelationsstudie: Analyse von Zusammenhängen zwischen Variablen
  • Standardisierte Beobachtung: Beobachtung anhand festgelegter Kriterien
  • Sekundärdatenanalyse: Auswertung bereits vorhandener Datensätze

Wenn wir z. B. messen möchten, ob jemand ein emotional intensives Erlebnis hatte, können wir die Person fragen: „Hattest du heute ein emotional intensives Erlebnis?“. Die Beantwortung dieser Frage können wir als einfaches Ja/Nein-Format vorgeben, für das wir die Zahlen 0 (= Nein) und 1 (= Ja) einsetzen. 

Somit wird jeder Person, die diese Frage beantwortet, eine entsprechende Zahl zugewiesen und diese Zahlen sind unsere Daten. Nun können wir diese Daten quantitativ bzw. statistisch auswerten, indem wir z. B. die Häufigkeit von Ja- und Nein-Antworten von allen befragten Personen zählen. 

Wenn uns außerdem interessiert, wie intensiv das emotionale Erlebnis wahrgenommen wurde, könnten wir weiterfragen: „Wie emotional intensiv war dieses Erlebnis heute für dich?“. Hier passt ein Ja/Nein-Antwortformat nicht mehr, aber wir können nun eine Skala von 1 = „gar nicht emotional intensiv“ bis 5 = „sehr emotional intensiv“ nutzen, welche wir ebenfalls statistisch auswerten können. 

Diese Zahlen bzw. Daten der untersuchten Personen ermöglichen dann statistische Analysen. So können wir systematisch herausfinden, ob es einen allgemeinen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit, mit der über emotionale Erlebnisse gesprochen wird, und der Häufigkeit emotionaler Erlebnisse in Träumen gibt.

Die Ergebnisse solcher quantitativer Untersuchungen sind meist gut verallgemeinerbar, also auf andere Personen im Allgemeinen anwendbar. Dadurch geben sie aber oft auch ein zu wenig differenziertes Bild, das nicht unbedingt auf jede einzelne Person zutreffen muss, sondern eher generelle Tendenzen und Trends widerspiegelt.

Quantitative Forschung kann wichtige Antworten zu allgemeinen Zusammenhängen und Unterschieden liefern und damit viele Forschungsfragen gut und objektiv beantworten. Allerdings bleibt ein tieferes und individuelles Verständnis einer Forschungsfrage meistens aus.

Eine Frau mit blauer gestreifter Bluse spricht in ein Mikrofon, während sie einem Gesprächspartner gegenübersitzt.

Qualitative Forschung: Verstehen statt nur messen

Mit qualitativen Forschungsmethoden werden in der Regel deutlich weniger Personen als mit quantitativen Forschungsmethoden untersucht. Dabei wird aber versucht, diese Personen sehr eingehend und detailliert zu untersuchen, zum Beispiel, indem Interviews mit weiterführenden Nachfragen geführt werden. So können die Personen umfangreich ihre Eindrücke, Meinungen und Erfahrungen äußern. 

Diese Messungen sind meist sehr aufwändig in der Durchführung und Auswertung. Zum einen muss viel Zeit für Terminabsprachen, Dokumentation etc. eingeplant werden und zum anderen entsteht eine sehr große Datenmenge – jede Antwort muss wortgetreu dokumentiert und analysiert werden. 

Um den Aufwand solcher Messungen besser zu bewältigen, werden qualitative Forschungsmethoden meist nur an wenigen Personen durchgeführt. Allerdings bieten mittlerweile viele qualitative Analysetools auch Unterstützung durch künstliche Intelligenz an. Das kann eine Auswertung deutlich erleichtern.

Beispiele für qualitative Forschungsmethoden sind:

  • Leitfadeninterview: Strukturierte Gespräche mit offenen Fragen
  • Experteninterview: Interviews mit Fachpersonen zu einem bestimmten Thema
  • Gruppendiskussion: Austausch mehrerer Personen zu einer Fragestellung
  • Fokusgruppe: Moderierte Diskussion zur Erhebung von Meinungen
  • Tagebuchstudie: Regelmäßige Dokumentation von Erfahrungen oder Verhaltensweisen
  • Qualitative Inhaltsanalyse: Systematische Auswertung von Texten, Bildern oder Dokumenten

Für unsere Beispielforschungsfrage aus der Psychologie könnten wir die beliebte qualitative Forschungsmethode der Tagebuchstudie nutzen. Wir könnten Personen darum bitten, ein Traumtagebuch zu führen und jeden Morgen nach dem Aufwachen die erinnerten Träume aufzuschreiben. Weiterhin könnten wir sie bitten, auch ein gewöhnliches Tagebuch zu führen und dabei zu notieren, ob sie über ihre Erlebnisse mit jemandem gesprochen haben. 

Diese Tagebucheinträge könnten dann z. B. mit einer systematischen qualitativen Inhaltsanalyse untersucht werden, um mögliche Verbindungen von täglich Erlebtem und Trauminhalten zu entdecken. Dabei stünde die Frage im Fokus, ob ein emotionales Erlebnis, über das nicht gesprochen wurde, sich in den Träumen eher wiederfindet als ein emotionales Erlebnis, über das gesprochen wurde. 

Auch wenn die Auswertung qualitativer Daten sehr systematisch vorgeht (z. B. indem hier klare Kategorien gebildet werden), bleibt ihre Aussagekraft oft beschränkt auf die individuellen Personen, die untersucht wurden. Die qualitativen Forschungsmethoden erlauben hier ein tiefgehendes Verständnis über das Erleben dieser untersuchten Personen. Dadurch können Antworten auf die Forschungsfrage gefunden werden, welche aber kaum verallgemeinerbar sind, da meist nur Einzelfälle untersucht werden. 

Qualitativ vs. quantitativ: Die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick

Zur Unterscheidung hilft ein kompakter Überblick über die wichtigsten Unterschiede zwischen qualitativer und quantitativer Forschung.

KriteriumQualitative ForschungQuantitative Forschung
ZielVerstehen und InterpretierenMessen und Vergleichen
StichprobeEher kleinEher groß
DatenTexte, Aussagen, BilderZahlen und Messwerte
DatenerhebungInterviews, Beobachtungen, TagebücherUmfragen, Experimente, standardisierte Beobachtungen
AuswertungInhaltsanalyse, InterpretationStatistische Verfahren
ErgebnisTiefgehende EinblickeVerallgemeinerbare Aussagen
Geeignet fürNeue oder wenig erforschte ThemenÜberprüfung von Hypothesen

Mixed Methods: Qualitative und quantitative Ansätze kombinieren

Nachdem wir dir die Unterschiede von qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden an einem Beispiel veranschaulicht haben, fragst du dich bestimmt, welche Methodik du nun für deine Forschungsarbeit wählen sollst. Sowohl qualitative als auch quantitative Forschungsmethoden haben ihre jeweiligen Stärken und Schwächen

Die qualitative Forschung hat ihre Stärke darin, einer Frage sehr tiefgründig nachgehen zu können. Dadurch können neue Erkenntnisse über ein Forschungsfeld gewonnen werden, über das noch wenig bekannt ist. Daraus können neue Vermutungen (Hypothesen) aufgestellt werden. Diese Vermutungen können dann sehr gut von quantitativen Forschungsmethoden überprüft werden. So kann festgestellt werden, inwiefern sich die Vermutungen verallgemeinern lassen. 

Die gute Nachricht: Beide Ansätze ergänzen sich ideal, um eine Forschungsfrage aus verschiedenen Perspektiven zu beantworten! Deshalb werden in einigen wissenschaftlichen Projekten qualitative und quantitative Forschungsmethoden kombiniert. Dieser Ansatz wird als Mixed Methods bezeichnet.

Qualitative Forschung (Interviews), Hypothesen entwickeln, Quantitative Forschung (Umfrage), Verallgemeinerbare Ergebnisse – Schritte des Forschungsprozesses.

Welche Forschungsmethode eignet sich für dich?

Die Wahl der passenden Forschungsmethode hängt immer von deiner Forschungsfrage ab.

Wenn du …Dann eignet sich eher …
individuelle Erfahrungen verstehen möchtestQualitative Forschung
Zusammenhänge messen möchtestQuantitative Forschung
ein neues oder wenig erforschtes Thema untersuchstQualitative Forschung
Ergebnisse verallgemeinern möchtestQuantitative Forschung
beide Perspektiven berücksichtigen möchtestMixed Methods

 

💡Tipp: Wähle niemals zuerst die Methode und danach die Forschungsfrage. In wissenschaftlichen Arbeiten sollte die Forschungsfrage immer bestimmen, welche Forschungsmethode am besten geeignet ist.

 

Fazit: Die richtige Forschungsmethodik für dein Studium

Wie du siehst, gibt es nicht die eine „richtige“ Forschungsmethode. Beide Ansätze liefern sehr wertvolle Antworten auf Forschungsfragen, wobei die Wahl unter anderem davon abhängt, welchen Blickwinkel du einnehmen möchtest: 

  • Für allgemeine Erkenntnisse eignen sich quantitative Forschungsmethoden.
  • Für eine individuelle Perspektive empfehlen sich qualitative Forschungsmethoden.

Im besten Fall können mit den entsprechenden Ressourcen beide Forschungsmethoden kombiniert werden, z. B. in großen Projekten, die einer Frage vollumfänglich auf den Grund gehen wollen. 

Autorin

Marie-Luise Unteutsch

Marketing & Communications Manager

FAQ: Häufig gestellte Fragen

Empirische Forschungsmethoden sind systematische Vorgehensweisen, die dabei helfen, Daten zu erheben, auszuwerten und Forschungsfragen zu beantworten. Dabei kommen je nach Zielsetzung unterschiedliche Methoden zum Einsatz, etwa Interviews, Umfragen, Beobachtungen oder Experimente. Alle diese Methoden sammeln Daten und werden deshalb „empirisch“ genannt.

Grundsätzlich wird zwischen qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden unterschieden. Beide gehören zu den empirischen Forschungsmethoden, da sie Daten aus der realen Welt untersuchen. 

Quantitative Methoden arbeiten vor allem mit Zahlen und statistischen Analysen, während qualitative Methoden individuelle Erfahrungen und Bedeutungen genauer betrachten.

Zu den qualitativen Forschungsmethoden zählen u. a. Interviews und die Analyse von Texten oder Tagebüchern. Ziel ist es, persönliche Perspektiven und komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen. Häufig werden dabei wenige Personen intensiv untersucht, um tiefere Einblicke zu gewinnen.

Mithilfe quantitativer Forschungsmethoden werden Daten in standardisierter Form erfasst und statistisch ausgewertet. Typisch sind Umfragen, Messungen oder Experimente, bei denen Ergebnisse in Zahlen dargestellt werden können. Dadurch lassen sich Muster erkennen, Vergleiche anstellen und allgemeine Aussagen über größere Gruppen treffen.

Die Wahl der Forschungsmethode hängt immer von der Forschungsfrage ab. Geht es darum, allgemeine Zusammenhänge zu untersuchen, eignen sich quantitative Methoden besonders gut. Soll dagegen individuelles Erleben verstanden werden, bieten qualitative Methoden Vorteile. Beide können auch kombiniert werden.