SRH University
Eine junge Frau mit Kopfhörern hält ein Tablet in der Hand und lächelt, während sie vor einer Bühne mit Menschen steht.

Interview: Die Event- und Musikbranche im Wandel

Lesedauer: 9 Min.
verfasst von Alain Cremone

Im Interview erfährst du:

  • Wie KI die Event- und Musikbranche verändert
  • Welche Chancen Digitalisierung, Social Media und Datenanalyse eröffnen
  • Welche Kompetenzen künftig in der Branche gefragt sind
  • Warum Community-Building und digitale Sichtbarkeit wichtiger werden

KI, Digitalisierung und Daten verändern die Event- und Musikbranche grundlegend und damit auch ihre Berufsbilder. Gleichzeitig eröffnen neue Technologien ungeahnte Chancen für Kreativität, Live-Erlebnisse und Communitys. Welche Kompetenzen künftig zählen und wo die Grenzen von KI liegen, erklärt Prof. Dr. Agnes Schipanski im Interview. Sie spricht über neue Berufsperspektiven, digitale Innovationen und die Zukunft der Kreativwirtschaft.

 

Frau Prof. Dr. Schipanski, die Event- und Musikbranche hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz dabei? 

Agnes Schipanski: Künstliche Intelligenz spielt in der Event- und Musikbranche eine immer größere Rolle und verändert sowohl die Planung und Durchführung von Veranstaltungen als auch die Produktion, Vermarktung und den Konsum von Musik. Diese Entwicklung eröffnet auf der einen Seite Chancen, birgt aber auf der anderen Seite auch Herausforderungen. So können Prozesse durch KI effizienter und schneller werden, das Besuchererlebnis individueller und erlebnisreicher sowie Kreativität auf eine nächste Stufe gehoben werden. Gleichzeitig gilt es, KI verantwortungsvoll einzusetzen und dabei Kreativität, Datenschutz, Urheberrecht und weitere rechtliche Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.

Welche Entwicklungen prägen die Branche derzeit besonders? 

Agnes Schipanski: Die Event- und Musikbranche wird von mehreren wichtigen Entwicklungen geprägt, die sowohl das Besuchererlebnis als auch die Arbeitsweise von Veranstalter:innen und Künstler:innen beeinflussen. Besonders hervorzuheben sind die Trends: nachhaltige Ausgestaltung von Events, hybride und digitale Veranstaltungskonzepte, Personalisierung des Besuchererlebnisses sowie Social Media und Content-Marketing. Nachhaltige Events stehen immer stärker im Fokus. So setzen Veranstalter:innen auf umweltfreundliche Konzepte wie Mehrwegsysteme, klimafreundliche Mobilität, regionale Catering-Angebote und die Reduzierung von Abfall. 

Obwohl Präsenzveranstaltungen wieder dominieren, bleiben hybride Formate wichtig. Livestreams und digitale Angebote ermöglichen es, auch Menschen zu erreichen, die nicht vor Ort teilnehmen können. Im Mittelpunkt personalisierter Besuchererlebnisse steht die Kundenorientierung und -zufriedenheit. Gerade die jüngere Generation möchte individuelle und stärker communityorientierte Formate, die mehr auf persönlichen Kontakt mit den Künstler:innen und deren Portfolio setzen. 

Plattformen wie Instagram, TikTok und YouTube beeinflussen die Musik- und Eventbranche erheblich. Durch sie kann innerhalb kürzester Zeit Reichweite aufgebaut, Communities gestärkt und Veranstaltungen sowie Künstler:innen gezielt beworben werden. So gilt es sowohl für das Künstlermanagement als auch für die Künstler:innen und Veranstalter:innen, soziale Medien nicht nur zu nutzen, sondern ihre Mechanismen und das Einsatzpotenzial zu kennen. 

Wie unterscheiden sich die Herausforderungen von heute von denen vor zehn Jahren? 

Agnes Schipanski: Im Vergleich zu vor zehn Jahren ist die Event- und Musikbranche digitaler, schnelllebiger, persönlicher und komplexer geworden. Neben der klassischen Veranstaltungsorganisation und detaillierter Zielgruppenanalyse müssen Unternehmen heute Themen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit, steigende Kosten und veränderte Besuchererwartungen erfolgreich miteinander verbinden, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Eine Menschenmenge schaut auf eine Bühne, auf der eine Band auftritt. Eine Person mit einem Strohhut hebt die Hände in die Luft.

Chancen und neue Möglichkeiten

Wo eröffnet KI neue Chancen für Künstler:innen, Veranstalter:innen und Musikunternehmen? 

Agnes Schipanski: Künstliche Intelligenz eröffnet Künstler:innen, Veranstalter:innen und Musikunternehmen zahlreiche neue Möglichkeiten. Sie hilft dabei, kreative Prozesse zu unterstützen, Arbeitsabläufe effizienter zu gestalten und das Publikum gezielter anzusprechen. 

Künstler:innen können durch KI Sounds vorgeschlagen bekommen und erstellen oder beim Mixing und Mastering unterstützt werden. In Bezug auf ihre Fans können Künstler:innen mithilfe von KI Trends analysieren und besser verstehen, welche Inhalte oder Musikstile bei ihrem Publikum besonders gut ankommen. 

Veranstalter:innen haben durch KI die Möglichkeit, ihre Events effizienter zu planen und durchzuführen. Innovative Konzertformate mit interaktiven Licht- und Bühnenshows, verbesserte Produktion von Audio- und Videoinhalten und automatisiert wiederkehrende Aufgaben sind Beispiele. Auch können durch KI Besucherzahlen prognostiziert, Ticketpreise angepasst, Personal- und Sicherheitskonzepte optimiert sowie Chatbots für den Kundenservice bereitgestellt werden. 

Musikunternehmen nutzen KI beispielsweise für eine gezielte Datenanalyse. So können durch KI Streaming-Daten, Social-Media-Aktivitäten und Verkaufszahlen ausgewertet und damit frühzeitig auf Trends reagiert werden. Daraus abgeleitet hilft KI, Entscheidungen über Künstlerförderung, Tourneen oder Marketingstrategien zu treffen. 

 

Zur Person: Prof. Dr. Agnes Schipanski

Prof. Dr. Agnes Schipanski verbindet wissenschaftliche Expertise mit langjähriger Berufserfahrung in Medien, Marketing und Kreativwirtschaft. Als Medienwissenschaftlerin und Professorin an der SRH University lehrt und forscht sie zu Themen wie Führung, Unternehmenskultur, Innovation und kreativer Kompetenz. Zuvor war sie unter anderem beim Südwestrundfunk, bei CLAAS und auf der Insel Mainau tätig. Ihre Arbeit zeichnet sich besonders durch die Verknüpfung von wissenschaftlicher Forschung und praktischer Managementerfahrung aus.
 


Wie verändern Streaming-Plattformen, Social Media und datengetriebene Analysen die Vermarktung von Künstler:innen und Events? 

Agnes Schipanski: Sie ermöglichen unter anderem eine direktere Kommunikation mit dem Publikum, eine größere Reichweite und gezieltere Marketingmaßnahmen! Über Social Media wird die Community direkt angeprochen, Einblicke hinter die Kulissen gegeben und Veranstaltungen gezielt beworben. Darüber hinaus können durch personalisierte Empfehlungen und Playlists auf Streaming-Plattformen weniger bekannte Künstler:innen oder Newcomer ein großes Publikum erreichen. 

Gleichzeitig liefern Streaming-Dienste wertvolle Daten über Hörverhalten, Zielgruppen und Musikpräferenzen. Für Künstler:innen und Musiklabels bedeutet dies jedoch auch permanente Contentproduktion und Anpassung an die Mechanismen des Rankings, um als Marke im Blickfeld zu bleiben. 

Welche Bedeutung haben Community-Building und digitale Sichtbarkeit inzwischen für den Erfolg von Musiker:innen? 

Agnes Schipanski: Durch die tiefgreifenden Veränderungen in der Musikindustrie reicht es nicht mehr aus, nur gute Musik zu veröffentlichen. Entscheidend ist der Aufbau einer nachhaltigen Publikumsbeziehung. Über Social Media, Livestreams oder exklusive Inhalte können Künstler:innen eine intensive Beziehung zu ihrer Community aufbauen, die wichtiger Teil der nachhaltigen Markenbildung ist. Plattformen wie TikTok, Instagram, YouTube oder Streaming-Dienste erzeugen Aufmerksamkeit und schaffen so eine hohe Sichtbarkeit und Publikumswirksamkeit. Sie liefern wertvolle Informationen über Inhalte, die besonders gut funktionieren und welche Zielgruppen wie erreicht werden können. 

Die digitale Präsenz bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich. Künstler:innen müssen regelmäßig Inhalte produzieren, mit Trends mithalten und gleichzeitig ihre eigene Authentizität bewahren. Dieser Druck führt häufig zu physischen und psychischen Belastungen, die immer mehr in der Musikbranche thematisiert und angegangen werden. Zum anderen gilt es, persönlichere und geschlossenere Community-Formate zu entwickeln, die die Fans gezielter ansprechen und ihnen das Gefühl der Exklusivität und Nahbarkeit der Künstler:innen vermitteln.

 

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Junge Frau mit lockigem Haar sitzt an einem Tisch, schaut in die Kamera und hat ein Notizbuch sowie einen Laptop vor sich.

Auswirkung auf Berufe und Arbeitsweisen

Entstehen durch die Digitalisierung und KI neue Berufsbilder in der Event- und Musikbranche? 

Agnes Schipanski: Ja. Es entstehen neue Berufsbilder in der Event- und Musikbranche und zugleich verändern sich bestehende Tätigkeiten. Es werden zunehmend Fachkräfte benötigt, die kreative, technische, soziale, projektbezogene und analytische Kompetenzen in sich vereinen. Das Kompetenz-Set erweitert sich maßgeblich. Neue und erweiterte Berufsfelder sind beispielsweise die folgenden: Music-Data-Spezialist:innen, Digital Marketing- und Social-Media-Manager:innen, Spezialist:innen für virtuelle und hybride Events sowie Digitale Projekt- und Plattformmanager:innen.

Welche Kompetenzen werden künftig besonders gefragt sein? 

Agnes Schipanski: Zu den wichtigsten Kompetenzen gehören Daten- und Trendanalyse, Kommunikationsfähigkeit, Projektmanagement und Organisation, analytisches Denken, die Analyse und Nutzung von KI, Kreativität, Innovationsfähigkeit, Community Management sowie ein rechtliches und wirtschaftliches Verständnis.

Wird kreatives Arbeiten durch KI eher ergänzt oder verändert? 

Agnes Schipanski: Ich sehe die KI als Ergänzung im kreativen Schaffensprozess. KI und Mensch arbeiten in Co-Creation zusammen.

Wo sehen Sie Grenzen des KI-Einsatzes? 

Agnes Schipanski: Die Grenzen des KI-Einsatzes sind dort, wo faire Vergütung, Datenschutz, Urheberrecht und Authentizität gefährdet werden. KI kann die Event- und Musikbranche sinnvoll ergänzen, sollte aber als unterstützendes Werkzeug verstanden werden. Erfahrungen, Emotionen und die individuelle Ausdrucksweise von Künstler:innen sind nicht imitierbar. Musik lebt von Persönlichkeit, Geschichten und kulturellem Kontext. 

💡 Zukünftig stark gefragte Kompetenzen in der Event- und Musibranche

✔ Daten- und Trendanalyse

✔ Kommunikationsfähigkeit

✔ Projektmanagement und Organisation

✔ Analytisches Denken 

✔ KI-Analyse und -Nutzung

✔ Kreativität und Innovationsfähigkeit

✔ Community Management

✔ Rechtliches und wirtschaftliches Verständnis

Blick nach vorne

Welche Trends sollten junge Menschen, die in die Branche einsteigen möchten, besonders im Blick behalten? 

Agnes Schipanski: Abgeleitet aus dem vorher Gesagten sollten junge Menschen, die in der Event- und Musikbranche arbeiten möchten, besonders die Entwicklungen rund um Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Social Media und Community-Bildung, Datenanalyse, Nachhaltigkeit sowie neue Erlebnisformate im Blick behalten. Gleichzeitig bleiben Leidenschaft für Musik und Events, Kreativität, Kommunikationsfähigkeit und die Bereitschaft, ständig Neues zu lernen, zentrale Erfolgsfaktoren.

Welche Rolle spielt es, sich schon während des Studiums mit Themen wie Digitalisierung und KI auseinanderzusetzen? 

Agnes Schipanski: Sich bereits während des Studiums mit Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz auseinanderzusetzen, spielt eine wichtige Rolle, um auf die zukünftigen Anforderungen der Branche vorbereitet zu sein. Da sich die Musik- und Eventbranche durch technologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklungen rasant verändert, werden verschiedene Zukunftskompetenzen zunehmend zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. 

💡 Maßgebliche Entwicklungen:

  • Neue Arbeitsweisen: Viele Prozesse in der Event- und Musikbranche werden heute durch digitale Tools unterstützt – von der Planung und Organisation über Marketing bis hin zur Analyse von Publikumsdaten.
  • Verständnis für Chancen und Grenzen von KI: Ein grundlegendes Wissen über KI hilft dabei, ihre Möglichkeiten realistisch einzuschätzen. Studierende können lernen, KI sinnvoll als Werkzeug einzusetzen.
  • Entwicklung innovativer Ideen: Studierende können neue Eventformate, digitale Erlebnisse oder innovative Marketingstrategien entwickeln.
  • Aktive Mitgestaltung der Zukunft: Wer sich früh mit diesen Themen beschäftigt, kann Entwicklungen aktiv mitgestalten.
Eine junge Frau mit Kopfhörern lächelt am DJ-Pult, umgeben von Musikgeräten und einem Computerbildschirm.

Wie greift der Studiengang Management der Kreativwirtschaft diese Entwicklungen auf? 

Agnes Schipanski: Unser Studiengang vermittelt das notwendige breite und interdisziplinäre Kompetenz-Set, welches zukünftig entscheidend für die Arbeit im Event- und Musikbereich sein wird. KI und Netzwerkmanagement werden hierbei als Querschnittskompetenzen verstanden und finden sich in vielen Modulen sowie Praxisprojekten wieder. 

Was fasziniert Sie persönlich an der Zukunft der Kreativbranche am meisten? 

Agnes Schipanski: Mich fasziniert besonders das Zusammenspiel von menschlicher Kreativität und technologischer Innovation. Neue Technologien wie Künstliche Intelligenz, virtuelle Realität und datenbasierte Tools eröffnen Möglichkeiten, die vor einigen Jahren noch nicht vorstellbar waren. Künstler:innen und kreativ Schaffende können dadurch neue Formen des Ausdrucks entwickeln und ihre Ideen schneller umsetzen.
 

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Wenn Sie einen Wunsch für die Kreativbranche der Zukunft frei hätten: Wie würden Journalismus, PR, Musik und Eventmanagement im Zeitalter der KI idealerweise aussehen?

Agnes Schipanski: Wenn ich einen Wunsch für die Kreativbranche der Zukunft frei hätte, wäre es eine Branche, in der Künstliche Intelligenz als unterstützendes Werkzeug genutzt wird, während der Mensch mit seiner Kreativität, seinem Urteilsvermögen und seiner Persönlichkeit im Mittelpunkt bleibt. KI sollte nicht dazu führen, dass Inhalte austauschbarer werden, sondern dazu beitragen, dass mehr Raum für eigene Ideen, Innovation und gesellschaftliche Relevanz entsteht. Die ideale Kreativbranche der Zukunft verbindet technologische Innovation mit menschlicher Kreativität. KI sollte Routineaufgaben übernehmen und neue Möglichkeiten eröffnen, aber nicht die Persönlichkeit, Vielfalt und emotionale Qualität kreativer Arbeit ersetzen. Die Zukunft gehört einer Branche, in der Menschen und Technologie gemeinsam Geschichten, Erlebnisse und kulturelle Inhalte schaffen.

Autor und Gesprächspartnerin

Portraifoto Alain Cremone

Alain Cremone

Marketing & Sales | Marketing Manager, Content und Social Media

Prof. Dr. Agnes Schipanski

Head of Management der Kreativwirtschaft, Professorin für Medienwirtschaft, Ambassador Entrepreneurship

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